| | Panorama Europäischer Förderverein für krebserkrankte Kinder Versteckt, abgeschoben und aufgegeben. Während die medizinische Betreuung schwerkranker Kinder in Ungarn auf hohem Stand ist, lassen die psychologische Betreuung, die Nachversorgung und der gesellschaftliche Umgang mit den kleinen Patienten um einiges zu wünschen übrig. Meist bleiben sie im Verborgenen und werden kaum gefördert. Die Tagesstätten für kranke und behinderte Kinder sind dürftig ausgestattet und ein Sterbehospiz für die Kleinen gibt es überhaupt nicht. Die ungarische Kinderkrebshilfe mit Sitz in Kecskemét will dem nun Abhilfe schaffen. Als vor zwei Jahren Bert Fröbes Enkeltochter in Deutschland auf die Welt kam, änderte sich sein Leben. In die Großvaterfreuden mischte sich sofort die ernsthafte Sorge um das junge Leben: Kim hatte von Geburt an Krebs. Wegen eines Nebennierentumors musste das Baby ein halbes Jahr lang im Krankenhaus bleiben und eine Chemotherapie über sich ergehen lassen. Kims Leben konnte gerettet werden, auch die psychologische und medizinische Nachversorgung für Mutter und Kind war gewährleistet. Vor anderthalb Jahren zog Bert Fröbe zusammen mit seiner Tochter und deren Kind nach Kecskemét, weil das zwischen Budapest und Szeged, den einzigen ungarischen Städten mit Onkologien, liegt. Durch die Krankheit seines Enkelkindes geprägt, sah sich der Fernsehregisseur auf ungarischen Krankenstationen und in verschiedenen Tagesstätten für behinderte Kinder um. Was er dort sah, ließ ihn zu der Erkenntnis kommen: ,,Die Betreuung behinderter, chronisch kranker und im Sterben liegender Kinder ist in Ungarn sehr dürftig. Entweder die Eltern müssen sich allein kümmern, das heißt, sie haben keine fünf Minuten Ruhe mehr. Oder sie geben ihr Kind in einem Heim ab, manchmal kommen sie dann nicht mal mehr zu Besuch.“ Ein weiterer wichtiger Punkt sei die mangelhafte Integration der Kinder in die Gesellschaft: ,,Wie oft sieht man schon ein behindertes oder krankes Kind auf der Straße oder in einer Schule? Meist bleiben sie im Verborgenen, kommen kaum aus der Wohnung raus.“ Deshalb gründete Fröbe im Januar dieses Jahres den Europäischen Förderverein für krebskranke Kinder, der als ungarischer Ableger der deutschen Kinderkrebshilfe fungiert und die erste Organisation dieser Art in Ungarn ist. Um eine menschenwürdige Alternative zu den ungarischen Tagesstätten aufzuzeigen, will der Verein im nächsten Jahr in Kecskemét eine Einrichtung für kranke Kinder bauen. Das ,,Regenbogen-Kinderland“ soll aus drei Häusern bestehen: Im ersten Gebäude namens ,,Kinderland“, werden deutsche und ungarische Kinder im Vorschulalter mehrsprachig betreut. Das zweite Haus heißt ,,Regenbogen“ und beherbergt die kranken, psychisch belasteten und behinderten Kinder, die bislang im Kecskeméter Kinderheim ,,Napsugár“ untergebracht sind und teilweise kaum noch Kontakt zu ihren Eltern haben. Mit heilpädagogischem Reiten, Bewegung, Musik, Gesprächsgruppen, der Vermittlung von Entspannungstechniken, kunst- und erlebnispädagogischen Angeboten soll hier den Kindern und ihren Angehörigen geholfen werden. Das dritte Gebäude schließlich heißt ,,Haus der Gefühle“ und wird denjenigen Kindern ein Zuhause sein, die nur noch eine kurze Lebenserwartung haben. Unter psychosozialer, religiöser und medizinischer Betreuung können dort Eltern ihre Kinder zusammen mit anderen betroffenen Familien auf ihrem letzten Weg begleiten. Im Außenbereich des Regenbogen-Kinderlandes, dem ,,Garten der Sinne“, sollen ein Spielplatz, ein Skulpturenpark und natürlich viele Pflanzen entstehen. Dieser Garten soll die drei Einrichtungen beziehungsweise deren kleine Bewohner miteinander verbinden: ,,Kinder haben diesbezüglich überhaupt keine Berührungsängste, die werden ihnen erst anerzogen“, so Fröbe. Bei der Finanzierung des Regenbogen-Kinderlandes hilft der norwegische Staat, der über Ausschreibungen Integrationsprojekte fördert. Außerdem hat das ungarische Ministerium für Soziales seine Hilfe bei der Überwindung bürokratischer Hürden und der Suche nach Kontakten zugesagt. Trotzdem fehlen noch Gelder, die der Verein über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sonderaktionen organisieren will. So ist Ende September ein Benefiz-Konzert in Kecskemét geplant. Eine Galerie präsentiert und verkauft für den Verein die gespendeten Bilder junger Künstler. Auch beim Kecskeméter Kinderfest, das diese Woche stattfindet, wird der Verein präsent sein. Neben der Planung des Großprojektes ,,Regenbogen-Kinderland“ widmet sich der Verein auch aktuellen und akuten Notfällen: So sammeln Bert Fröbe und seine Mitstreiter derzeit Geld für acht Kinder aus der Region zwischen Kecskemét und Szeged, die Krebs haben und wegen einer Allergie keine herkömmliche Chemotherapie bekommen können. Insgesamt 8 Mio. Ft sind nötig, um für jedes Kind die entsprechenden Medikamente aus der Schweiz zu bestellen. ,,Das klingt nach viel Geld, aber immerhin hängt das Leben von acht Kindern davon ab“, sagt Fröbe. EUROPÄISCHER FÖRDERVEREIN FÜR KREBSERKRANKTE KINDER E.V. KECSKEMÉT 6000 Kecskemét, Úrrét 129 Tel.: 06 30/ 498 6536 www.euroonko.de KinderkrebshilfeUngarn@t-online.de Überweisungen innerhalb Ungarns: 11600006-00000000-18394221 Erste Bank Rt. Lysann Heller |